Kapitel 8 Die Botin der Elfenlampe

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«Na hat die frische Luft gutgetan?» Fragte Raul, als ich seine Wohnung betrat. Wir standen im Flur und ich zog meine Jacke aus. Es roch unglaublich gut nach Essen.

«Ja danke.»

«Ich hoffe, du magst Pasta?»

Ich lächelte und ging in seine Küche. Dort standen zwei Kochtöpfe. Im einten kochte die Pasta und im anderen eine Tomatensosse. Es roch und sah fantastisch aus.

«Es braucht noch ca. fünfzehn Minuten.»

«Okay.»

«Ich habe nachgedacht. Ich kann verstehen, dass es für dich schwer ist. Ich meine so als normaler Mensch ist dies wahrscheinlich alles nur schwer zu verstehen. Aber du bist nicht allein. Maximilian ist an deiner Seite, auch wenn er dein Vertrauen mit dem Gedankenlesen missbraucht hat. Er war immer auf deiner Seite und geht damit ein Risiko ein. Von da her geh nicht allzu streng mit ihm ins Gericht.»

«Wie meinst du er geht damit ein Risiko ein?»

«Na ja es wäre seine Pflicht, dem Clan zu melden, dass er weiss, wo sich die Lampe befindet.»

«Und wieso macht er das nicht?»

«Na ja Maximilian ist halt ein Romantiker.»

«Nein im Ernst. Wieso macht er das nicht?»

«Maximilian ist schon sehr alt und hat viel gesehen. Krieg, Zerstörung und Vernichtung. Alles keine schönen Sachen und wenn die Lampe in die Hände der Vampire gelangen würde, wäre das mit dem Frieden zwischen den Rassen vorbei. Dies möchte er mit allen Mitteln verhindern und dann wäre da natürlich noch der wahrscheinlich ausschlaggebende Grund.»

«Und der wäre?»

«Du natürlich.»

«Ich?»

«Merkst du dann gar nicht, wie er dich ansieht? Er hat sich offensichtlich in dich verliebt.»

Verlegen schaute ich auf den Boden. Ich wusste nicht genau, ob der letzte Punkt wirklich der Wahrheit entsprach, jedoch mochte ich Maximilian ja auch. Aber wie konnte ich sicher sein, dass es wirklich meine Gedanken waren und Maximilian sie nicht dahingehend beeinflusst hat?

«Kann man irgendwas zaubern, dass Maximilian nicht mehr in meinen Kopf kann?»

«Ja nach dem Essen werde ich es dir zeigen.»

Raul probierte die Sosse und schien damit sehr zufrieden zu sein. Er holte die Teller aus dem Schrank und drückte sie mir in die Hand. Ich brachte alles in sein Esszimmer. Dort stand ein so grosser Tisch, dass ohne Weiteres zehn weitere Personen an ihm Platz gefunden hätten.

Raul brachte das Essen und wir setzten uns.

«Vermisst du dein zu Hause?»

«Wie meinst du das?»

«Na ja du warst Monate auf Reisen und nun bist du hier. Vermisst du dein Zuhause?»

Dies war eine gute Frage. Natürlich vermisste ich meinen Bruder und meinen Vater aber vermisste ich, dass jeder Tag gleich war?

Mein Leben war begleitet von einem Plan. Schule, Studium, dann eine Reise und dann die Kanzlei mit Leon übernehmen. Ich hatte einen Plan und an diesen hielt ich mich schon mein ganzes Leben. Eigentlich müsste die Antwort von daher ja heissen. Denn dieses Abenteuer gehörte definitiv nicht zu meinem Plan. Aber wenn ich ganz tief in mich reinhorchte, war die wahre Antwort Nein. Ich vermisste mein Zuhause nicht. Nicht das ich die Situation hier genoss, immerhin stand mein Leben auf dem Spiel. Jedoch fühlte ich mich neugierig. Ich wusste nicht, was als Nächstes kommen würde und ich fühlte mich nicht überlegen. Dies klang wahrscheinlich nun völlig überheblich, aber ich war immer sehr klug und die meisten in meinem Umfeld konnte ich daher sehr gut einschätzen. Dadurch wurde ich selten von Menschen und Situationen überrascht. Aber das hier war unbeschreiblich. Weder Max noch Raul konnte ich einschätzen und dies hatte einen Reiz.

Plötzlich merkte ich, dass ich gar nicht mehr so schnell nach Hause mochte wie noch vor ein paar Minuten.

«Du hast mich das absichtlich gefragt, oder?»

«Ja über die paar Jahrhunderte, konnte ich so einiges über die Menschen lernen und ich wollte das du die Situation mal unter einem anderen Blickwinkel siehst.»

«Wieso wusstest du das die Antwort Nein, sein wird?»

«Wie ich sagte Menschenkenntnis.»

«Nicht etwa Gedanken Manipulation?»

«Nun wird mal nicht paranoid. Ich sagte dir schon das Magier dies nicht können.»

Ich schaute ihn an. Er schob sich genüsslich eine gut gefüllte Gabel mit Pasta in den Mund.

Raul war eine Persönlichkeit für sich. Immer schwarz gekleidet und seine schwarzen Harre waren säuberlich wild gestylt. Aber ich fühlte mich in seiner Nähe sehr wohl.

Nach dem Essen wuschen wir noch gemeinsam ab und blödelten ein wenig mit dem Seifenwasser herum.

«So, nun musst du dein Versprechen wahr machen. Zeig mir, wie ich verhindern kann, dass Maximilian noch einmal in meinen Kopf kommt.»

«Haben wir doch schon.»

«Was? Wie?»

«Kennst du den Mythos, dass Knoblauch Vampire vertreibt?»

«Ja.»

«Wie an den meisten Mythen ist etwas Wahres daran. In diesem Fall vertreibt Knoblauch Vampire zwar nicht, aber wenn du Knoblauch isst, kann er n nicht in deinen Kopf eindringen. In der Sosse war eine Menge Knoblauch, also für die nächsten vierundzwanzig Stunden bist du sicher.»

«Knoblauch? So einfach?»

«Ja so einfach.»

Wir mussten beide schmunzeln.

«Was ist mit Weihwasser?»

«Okay, das ist wirklich nur ein Mythos.»

«Was machen wir heute noch?»

«Auf was hättest du Lust?»

«Auf eine Kutschfahrt durch Wien?»

«Ich meinte, auf was hättest du Lust Geschichte oder Sport?»

«Ach komm schon Raul. Sport hatte ich heute schon und Geschichte hatte ich auch schon genügend. Was ich brauche, ist Spass und Zeit, um das alles zu verarbeiten.»

«Deinem Pflaster nach hast du Vampirgift im Organismus.»

«Ja.»

«Wann hat er dich gebissen?»

«So ca. vier Uhr morgens wieso?»

«Ich will a nicht, dass du in der Kutsche keine Luft mehr bekommst. Aber das sollte für heute reichen. Also auf geht’s.»

Ein Lächeln breitete sich über mein ganzes Gesicht aus.

Der Tag verging wie im Fluge. Wir machten eine Kutschfahrt durch Wien und schlenderten zusammen durch die kleineren Seitengassen. Nun waren wir müde, wieder bei Raul zu Hause angekommen. Wir einigten uns darauf noch einen Actionfilm zuschauen.

«Hier die Fernbedienung. Such dir einen Film auf Netflix aus. Ich gehe und mache Popcorn.»

Er stand auf und verschwand in der Küche. Ich zappte durch das Filmangebot.

«Mist, ich habe kein Popcorn mehr und die Läden haben mittlerweile längst geschlossen. Aber wenn wir Glück haben, hat der Kiosk am Ende der Strasse Popcorn.»

«Nein ist doch nicht nötig.»

«Was ist ein Film ohne Popcorn. Es dauert auch bestimmt nicht lange.» Meinte er, während er seine Jacke anzog und die Wohnung verliess.

Ich zappte noch ein wenig durch das Angebot, bis ich den Aufzug hörte. Ich schaute auf die Uhr. Raul war noch nicht ganz fünf Minuten weg. Ich blieb auf dem Sofa sitzen und spitzte meine Ohren. Schritte näherten sich dem Apartment.

Ich hielt den Atem an, als es klingelte.

Okay ganz ruhig bleiben. Ich sprang vom Sofa auf und versteckte mich im Kleiderschrank im Schlafzimmer.

Ich hörte, wie jemand die Eingangstüre gewaltsam öffnete und vorsichtig wieder schloss.

Wer war das? Wieso brach er einfach hier ein?

Ich hörte nichts mehr. Mist, wo befand sich der Einbrecher jetzt nur?

Ich tastete meinen Hosensack ab. Mist, ich hatte mein Handy im Wohnzimmer vergessen.

Nun hörte ich, wie die Türe im Schlafzimmer geöffnet wurde und die Schritte im Zimmer. Sie näherten sich immer mehr, bis jemand die Türe zum Kleiderschrank öffnete.

«Anna, was machst du im Kleiderschrank?»

Vor mir stand Maximilian, der mich verblüff anstarrte.

«Oh man Max. Du hast mir den Schrecken meines Lebens eingehbrockt. Ich dachten du seist ein Einbrecher oder einer, der hinter der Lampe her ist.»

Nun fing Maximilian an zu lachen, aber sein Blick war voller wärme.

«Tut mir leid.»

«Wieso bist du nicht auf der Party?»

«Ich wollte nur kurz vorbeikommen und sehen, ob es dir auch gut geht.»

«Bis eben schon. Nun rast mein Herz wie noch nie.»

Ich wusste jedoch nicht genau, ob mein Herz wegen dem Schock oder wegen Maximilians wahnsinnig sexy blauen Augen so raste.

«Bist du noch sauer?»

«Ja, etwas schon. Raul zeigte mir, wie ich mich davor schützen kann. Aber ich möchte das du mir versprichst, dass du es nie wieder machst.»

«Versprochen.»

Maximilian half mir aus dem Schrank hinaus und wir setzten uns auf die Couch im Wohnzimmer.

«Übrigens wo ist Raul?»

«Ich suche einen Film aus und Raul holt Popcorn.»

«Brauchst du Hilfe bei der Auswahl?»

«Nein schon okay, ich habe mich für diesen entschieden.»

Ich zeigte auf den Fernseher, dort stand der Titel und eine kurze Beschreibung des Filmes. Max verzog das Gesicht.

«Bist du dir sicher? Ich habe ihn gesehen und er ist nicht wirklich sehenswert.»

Ich griff mir ein Kissen und schlug ihn sanft damit.

«Hey sag nichts gegen meinen Filmgeschmack.»

Gespielt geschockt schaute er mich an und umklammerte dann mit seinen Armen meinen Oberkörper und drückte somit meine Arme an meinen Körper. Ich konnte nichts mehr machen. Er zog mich zu sicher heran und wartete kurz, dann fing er an, mich zu kitzeln. Da meine Arme wieder frei waren, versuchte ich seine festzuhalten. Aber ich hatte keine Chance, er war einfach zu stark. Er drückte mich nun auf das Sofa und riss gespielt beängstigend seinen Mund auf und näherte sich meinem Hals. Wir beide kicherten ausgelassen, als plötzlich sich die Haustüre öffnete. Wie erstarrt schauen wir beide, wer eintrat. Es war Raul, der in der Hand eine Tüte Mikrowellenpopcorn hielt.

«Hey, ich bin wieder hier. Oh Hallo Maximilian, was machst du denn hier?»

Max stand von der Couch auf und schnappte sich seine Lederjacke.

«Ich wollte nur kurz schauen, wie es euch so geht und ob das Vampirgift noch wirkt. Aber ich sehe euch geht es gut. Dann werde ich nun wieder auf meine Party gehen. Ich wünsche euch viel Spass beim Film.»

Max verliess die Wohnung und Raul stand wie angewurzelt im Wohnzimmer. Fing sich aber schnell wieder und begab sich dann in die Küche.

«Und hast du ein Film gefunden?» Rief Raul aus der Küche.

«Ja, wie würde dir Vampirfilm gefallen? Schliesslich ist es ja enorm wichtig, dass ich mehr über Vampire erfahre und so könnten wir das Ganze ja sogar als Forschung ansehen.» Witzelte ich.

«Las mich raten. Einen Vampirfilm, in dem es hauptsächlich um eine Liebesgeschichte geht? So etwa wie in deinem Leben?» Stichelte Raul und lief dabei mit einer Schüssel Popcorn auf dem Arm ins Wohnzimmer.

«Ha ha ha.» Antwortete ich gespielt genervt.

«Nein im Ernst, was läuft da zwischen dir und Maximilian. Ich meine, er verlässt sicher nicht einfach so seine Geburtstagsparty.»

«Nichts er wollte nur sehen, ob es uns beiden gut geht.»

Dabei betonte ich uns beiden aussergewöhnlich fest und drückte dann auf Play. Somit hoffte ich die Unterhaltung beenden zu können.

Kaum fing der Film an, schon hörten wir wieder Schritte im Flur vor der Haustüre. Ich ging davon aus, dass es Max sei, der etwas vergessen hatte. Auch Raul blieb ruhig. Also schauten wir weiter dem Film zu.

Doch plötzlich schwenkte die Eingangstüre schwungvoll auf und zum Vorschein kamen fünf ganz in schwarz gekleidete Männer. Ihre Adern traten bei allen schwarz hervor und die Reisszähne waren ebenfalls deutlich zu sehen.

Vampire schoss es mir durch den Kopf.

Raul packte meinen Oberarm und riss mich von seiner Couch, die Wendeltreppe, die sich wenige Meter von der Couch befand, hinauf. Die Vampire folgten uns, aber Raul schoss irgendein blaues Licht aus seinem Handballen und die Vampire flogen durch den Raum. Ihre Landung sah schmerzvoll aus. Sie standen, aber kaum hatten sie den Boden berührt wieder auf, als währe nichts passiert.

Vampire spürten offenbar keine Schmerzen. Fühlten Vampire dann irgendwas? Dies wollte ich mir auf jeden Fall merken, um Maximilian zu fragen.

So schnell wie die wieder standen, war mir durchaus bewusst, hatten wir durch Rauls Angriff nur ein paar Sekunden gewonnen. Nun waren wir oben angelangt und betraten das erste Zimmer.

Hinter der Türe befand sich ein Schlafzimmer. Der Raum war gross und im Barock Still eingerichtet. Raul schloss die Türe hinter uns.

«Ich glaube nicht, dass sie die Türe lang abhalten wird.» Meinte ich ausser Atem.

«Zum Glück für uns, muss sie das auch gar nicht.»

Raul fing an, mit beiden Händen grosse Kreisbewegungen zu machen. Dabei entstand ein immer grösser werdender Ball aus orangen Lichtkügelchen. Als das Lichtgebilde so gross war wie wir, zog mich Raul hinein und als ich meine Augen wieder öffnete, stand ich wieder in einem Schlafzimmer. Aber nicht in demselben wie zuvor. Dieses war aus hellem Holz und mit Holzmöbel eingerichtet. Auch die Luft war anders, ich atmete tief ein. Sie war frisch und schmeckte nach Holz gemischt mit Wiese.

«Wo sind wir?»

«In meinem Anwesen in der Schweiz.»

Ich schaute aus dem Fenster, vor mir lag eine Wiese und in der ferne war ein grosser Berg zu erkennen. Viele Häuser in Sichtweite gab es nicht.

«Wie sind wir hierhergekommen.»

«Natürlich durch ein Portal.»

«Natürlich.» Erwiderte ich und gab mir dabei keine Mühe, so zu tun, als wüsste ich, wie ein Portal funktionierte.

«Wo hast du die Lampe versteckt?»

«In Max Wohnung unter dem Sofa in einer Kiste.»

«Also ich werde nun die Lampe und Maximilian holen. Du wartest hier. Sobald ich zurück bin, werden wir einen Plan schmieden.»

Raul wedelte wieder mit seinen Armen und verschwand dann in den orangen Lichtkügelchen.

Erschöpft liess ich mich auf das Bett sinken.

Das Zimmer passte in die ländliche Gegend, aber so gar nicht zu Raul. Raul, der immer Gestylte war, konnte ich mir so gar nicht in den Bergen vorstellen, wie er wanderte oder Ski fuhr.

Ich stand auf und inspizierte den Rest des Hauses.

Es war nicht annähernd so gross wie seine Wohnung in Wien, aber mir gefiel der Stil mix von alt und rustikal versus neueste Technik. So hing zum Beispiel eine Alte wunderschöne Kuckucksuhr neben den neusten und modernsten Lautsprecherboxen.

Kaum war ich fertig mit der Inspektion der Wohnung, sah ich wieder das orange Licht und daraus traten Raul und Max.

Max viel mir gleich um den Hals.

«Anna zum Glück ist euch nichts passiert. Als ich Rauls verwüstete Wohnung sah, machte ich mir grosse Sorgen.»

«Wieso warst du eigentlich schon wieder in meiner Wohnung und nicht auf deiner Geburtstagsparty?»

"Ich hörte auf der Party, wie sich ein paar Vampire unterhielten, wie der Nocrtis Clan Raul entführen wolle, um ihn dann dazu zu zwingen, für sie die Lucerna Dryadalis zu finden."

"Also waren sie gar nicht hinter mir her? Aber wieso ausgerechnet Raul?"

«Weil ich nun einmal der mächtigste Hexenmeisters Österreichs bin.» Meinte Raul lässig, während er die Elfenlampe auf die Kommode stellte.

«So, ich bereite nun alles vor, was wir für den Ortungszauber brauchen. Maximilian wird dir noch einmal etwas Vampirgift geben, denn die Wirkung sollte allmählich nachlassen und ich brauche dich voll konzentriert für diesen Zauber.»

Ich schaute Max an, der wich meinem Blick aus und schaute zu Boden.

Raul hatte recht, ich konnte allmählich fühlen, wie das Gift nachliess. Denn das beklemmende Gefühl machte sich wieder in mir breit.

«Gehen wir ins Schlafzimmer? So hat Raul seine Ruhe beim Aufbau?» Meinte ich.

In Wahrheit schlug ich den Zimmerwechsel nur vor, um etwas alleine mit Max zu sein. So viel war in den letzten Stunden passiert. Ich wollte kurz Zeit, um durchzuatmen und das alles zu verdauen. Bei Max fühlte ich mich wohl und sicher.

Maximilian folgte mir in das Schlafzimmer. Wir setzten uns auf das Bett.

«Wie kommst du mit all dem zurecht?» Wollte Max mit einfühlsamer Stimme wissen.

«Um ehrlich zu sein, ist alles recht verrückt. Aber ich komme erstaunlicherweise sehr gut mit allem zurecht.»

Er griff sanft nach meinem rechten Unterarm. Er drehte mein Handgelenk sanft und langsam, dann schaute er meine Adern genau an. Sie waren grün und man konnte sie durch meine blasse Haut gut erkennen. Mein Herz pochte wie verrückt.

«Hast du Angst vor dem Biss?»

«Nein.» Log ich. Den dieses Gefühl, das ich hatte, war unbeschreiblich. Klar, auf der einen Seite hatte ich Angst. Angst von dem, was gleich folgen würde. Auf der anderen Seite gab es mir aber auch ein Adrenalin kick. Ich freute mich auf das Gefühl, das sein Gift in mir auslösen würde. Dieses unglaubliche Gefühl, alles zu schaffen und diese monströse Energie.

Unsere Blicke trafen sich. Wir schauten uns tief in die Augen. Dann nickte ich leicht. So leicht das es kaum wahrnehmbar war. Aber Max schien es registriert zu haben, denn er wendete sein Gesicht meinem entblössten Unterarm zu. Sein Gesicht veränderte sich langsam. Seine Augen und Adern wurden ganz schwarz. Mein Puls fing nun an, noch mehr zu rasen und es wurde mir fast schummrig vor Augen. Aber ich konnte nicht wegsehen. Denn irgendwie faszinierte mich, was ich sah. Max öffnete langsam seinen Mund und dann durchströmte mich eine Welle des Schmerzes. Nach ca. zehn Sekunden war alles wieder vorbei und Max lies meinen Unterarm los. Er drehte sein Gesicht wieder zu mir und strich mir mit einer Hand über die Wange.

«Alles in Ordnung?»

In diesem Moment durchströmte mich eine Welle des Gifts. Der Schmerz war wie weggeblasen und ich fühlte mich grossartig.

«Ja alles bestens danke.» Meinte ich und stand auf. Ich schaute mich im Raum um und bemerkte dann, dass ich gar nicht wusste, was ich überhaupt machen wollte. Deshalb liess ich mich wieder zurück auf das Bett sinken.

«Raul wird jeden Moment soweit sein.» Meinte Maximilian stand auf und verliess das Schlafzimmer.

Da ich nicht allein hier herumsitzen wollte, sprang ich auch wieder auf meine Füsse und ging zurück ins Wohnzimmer. Dort lag wieder eine Weltkarte auf dem Tisch und ein Messer.

«Ich wäre soweit.» Meinte Raul und streckte seine Hand in meine Richtung aus. Ich legte meine Hand mit dem Handteller nach oben in seine und er machte wie das letzte Mal einen Schnitt in meine Hand und liess das Blut auf die Weltkarte Tropfen.

Dann fing er wieder etwas an zu murmeln, in einer Sprache, die ich nicht kannte.

Dieses Mal floss das Blut, anders als beim letzten Mal über die Karte und blieb mitten im Meer stehen.

«Hier müssen wir hin.» Sagte Raul mit stolzer Stimme.

«Aber da ist doch nur Meer.» Meinte ich skeptisch.

«Nicht unbedingt. Vielleicht ist die Insel ja einfach so klein, dass sie nicht auf der Karte abgebildet ist.» Klärte mich Maximilian auf.

Dann fing Raul wieder ein Portal zu erschaffen. Als er damit fertig war, ging zuerst Raul, dann Max und zuletzt ich hindurch.

Raus kamen wir mitten in einem Urwald. Die Luft war feucht und stickig.

«Und wo ist nun der Wächter?» Wollte ich von den anderen wissen.

«Keine Ahnung.» Meinte Raul.

«Wo sind wir?» Wieder schaute ich fragend in die Runde.

«Keine Ahnung.» War erneut Rauls Antwort.

«Das Portal bracht uns hierhin, dann kann der Wächter nicht allzu weit sein.» Entgegnete Max uns enthusiastisch.

Nachdem wir eine Halbestunde ziellos durch den Urwald geirrt waren, schien jedoch auch Maximins Optimismus verschwunden zu sein. Lustlos stapften wir weiter. Ich wollte gar nicht darüber nachdenken, wie viele gefährliche Tiere hier leben.

«Könnt ihr eigentlich sterben?»

«Ja, wenn wir getötet werden.» Antwortete Raul.

«Wie tötet man einen Magier?»

«Ganz normal, wie auch bei den Menschen.»

«Und du Max?»

«Nun technisch gesehen sind Vampire ja eigentlich schon tot. Also nein. Aber man kann uns Pfählen oder verbrennen. Wie kommst du darauf?»

«Ach nicht so wichtig. Ich malte mir in meinem Kopf nur aus, auf wie viele Arten das für mich tödlich ausgehen könnte.»

Schweigend liefen wir noch etwas weiter, bis Raul rief.

«Ein Haus. Ich sehe ein Haus.»

Tatsächlich hinter dem nächsten Baum war wirklich ein Haus. Es war mittelgross mit einer gelben Fassade und da es das Einzige weit und breit zu sein schien, musste es das Haus des Wächters sein.

«Bingo.» Meinte Max, während wir uns dem Haus näherten.

Es reagierte jedoch niemand auf unser Klingeln, deshalb brach Maximilian kurzerhand die Haustüre auf.

Ich konnte nicht sagen, dass ich mich an den Anblick langsam gewöhnt hatte, wenn sich Maximilian in einen Vampir verwandelte. Nein, er machte mir immer noch grosse Angst. Aber zu sehen, wie er einfach so eine Türe aus ihrer Verankerung reisen konnte und sie danach wegschmiss, als wäre sie ein Frisbee, hatte auch irgendwie was Reizvolles.

Drinnen war alles verwüstet. Sofakissen lagen mitten im Wohnzimmer. Spiegel waren zerschlagen und Stühle waren in ihre Einzelteile zerlegt worden. Hier hatte offensichtlich ein Kampf stattgefunden.

Erschrocken und erschüttert schauten wir drei uns für ein Bruchteil einer Sekunde an. Dann teilten wir uns hastig auf, um den Wächter zu suchen. Er musste doch hier irgendwo sein!

Aber nachdem wir jeden Raum des zweistöckigen Hauses abgesucht hatten, trafen wir uns niedergeschlagen wieder im Wohnzimmer.

«Das kann doch nicht sein, der Zauber hat uns doch hierhergeschickt. Das heisst, er muss hier irgendwo sein.»

Ratlos mit hängenden Schultern stand ich neben dem Kamin.

In der Wohnung roch es modrig und die Einrichtung sah aus wie die von meinem Grossvater. Grosse Möbel und viele Vitrinen aus verschiedenen Holzarten. Irgendwie wirkte es zusammengewürfelt, aber trotzdem sehr heimelig. Nur frische Luft könnte die Wohnung echt vertragen.

Maximilian bückte sich, nahm eines der grossen cremefarbenen Sofakissen auf und lief damit zum Sofa. Er legte es auf die Sitzfläche und setzte sich dann darauf.

«Nicht unbedingt. Vielleicht wurde er ja gerade kurz nachdem wir ihn hier geortet hatten, hier ermordet.»

Ein kalter Schauer lief mir den Rücken hinab. Was getötet? Was würde dies für mich bedeuten?

«Versuche fünf Sekunden einzuatmen und dann sieben Sekunden auszuatmen. Dies sollte deinen Puls wieder etwas beruhigen.»

Entsetzt schaute ich Maximilian. Er zeigte auf sein linkes Ohr und meinte: „Vampire gehör.“

«Ich hasse, wenn du das tust.»

«Ich möchte nur nicht, dass du in Ohnmacht fällst.»

«Danke, ich komme sehr gut zurecht.» Log ich und versuchte mich so unauffällig wie möglich auf meine Atmung zu konzentrieren.

«Jetzt mal langsam, vielleicht wurde er ja auch nur gekidnappt.» Meinte Raul, der sich in der Hausbar die Flaschen ansah.

«Und wie finden wir das heraus?»

«Wir befragen die Nachbaren. Oh ja, habe ich ja ganz vergessen. Es existieren ja keine.» Mit seiner linken Hand machte Max eine Bewegung, die aussah, als würde etwas verpuffen.

«Wieso bist du so gereizt?» Ich hielt es nicht mehr aus. Noch vor zwei Stunden fühlte ich mich ihm so nahe und nun war er so gereizt und genervt. Ja, es war eine blöde Situation, aber Trübsal zu blasen half uns auch nicht weiter.

«Ich habe Hunger.»

«Das ist ein Problem.» Nun drehte sich auch Raul wieder zu uns um und weg von der Bar. Er schien nicht fündig geworden zu sein.

Max hatte also Hunger und wir waren draussen in einer Hütte inmitten eines Urwaldes, mit weit und breit keinem Blut für Max. Na ja, wenn man mal von meinem und Rauls Blut absah. Ja, das war wirklich ein Problem.

«Was machen wir nun?» Wieder schaute ich dabei fragend in die Runde.

«Maximilians erste Idee, die Nachbaren zu befragen, war möglicherweise gar keine so blöde Idee. Die Einrichtung der Wohnung ist so alt, ich bin mir sicher, wir finden hier irgendwo einen Stadtplan und einen Kompass.»

Beinahe gleichzeitig fingen wir an, das ganze Wohnzimmer abzusuchen.

Irgendwo hier muss einfach ein Stadtplan rumliegen. Ich wollte mir gar nicht ausmalen, was Maximilian sonst mit uns anstellen würde.

«Hab ihn.» Rief Raul. Mit einer grossen Handbewegung räumte er mit einem Wisch den Esstisch ab und legte die Karte darauf. Zu dritt versammelten wir uns um den Tisch.

«Also, wir müssten hier sein. Oh gute Nachrichten nicht weit, also so ca. zwei Stunden Fussweg gibt es eine Baar. Ich bin mir sicher, dort finden wir etwas zu Essen für Max. Aber mach uns bitte einen gefallen und iss den Koch erst, wenn er mir und Anna etwas zu essen zubereitet hat. Ich bin nämlich ebenfalls hungrig.»

Maximilian gab nur ein Knurren von sich als Antwort auf Rauls Witz. Zumindest hoffte ich. dass es sich um einen Witz handelte.

«Also auf auf. Es ist noch ein Stück bis dahin.» Raul wedelte so stark mit seinen Armen, dass ich befürchtete, er würde sich bald einen Arm auskugeln, wenn er so weiterwinken würde.

«Ich habe eine bessere Idee.» Maximilian winkte mit einem Autoschlüssel vor unseren Gesicherter hin und her. «Denn habe ich vorhin gefunden, als wir die Karte gesucht haben.»

Zusammen liefen wir zur Garage, die gleich an das Haus angrenzte. Und tatsächlich darin befand sich ein alter blauer Pick-up. So viel Rost hatte ich noch nie an einem Auto gesehen.

In dem Moment, als Max den Schlüssel ins Zündschloss schob und umdrehte, hielten wir alle den Atem an. Keiner von uns hatte Lust zu Fuss zu der Baar zu laufen. Aber wir hatten Glück und das Auto sprang gleich beim ersten Versuch an.

Die Bar war nicht schwer zu finden, den im Städtchen standen nicht sehr viele Häuser.

Als wir sie betraten, war ich positiv überrascht. Drinnen sah sie gemütlich modern aus. Wie auf der Insel anscheinend üblich war, waren auch hier die Theke und die Stühle alles aus Holz. Aber dies gab der Baar ein besonderes Strandfeeling. Wir setzten uns an die Bar und Raul bestellte für mich und sich einen Whisky. Da ich puren Whisky nicht besonders mochte, bestellte ich mir noch eine Cola dazu.

Maximilian schien angespannt und schaute sich in der Baar um. Als ein jüngerer Mann die Baar verliess, stand er ebenfalls auf und ging raus. Ich zwang mich auf meinen Whiskycola zu starren und an nichts zu denken. Sonst würde ich mir ausmalen, was Maximilian gerade tat und das konnte und wollte ich nicht.

Nach einer gefühlten Ewigkeit kam Max wieder hinein und setzte sich auf den freien Barhocker neben mir.

Ich konnte nicht anders, ich musste fragen: «Lebt er noch.» Brachte ich mit zitternder Stimme hinaus.

«Ja, ich habe nur ein bisschen getrunken und sein Gedächtnis gelöscht. Heute wird er etwas benommen sein und morgen wird er sich erschlagen fühlen. Keine Sorge, er wird denken, dass er etwas zu tief ins Glas geschaut hat.»

«Hast du schon einmal jemanden getötet?»

«Stelle mir keine Frage, bei der du die Antwort nicht wissen willst. Barkeeper» Mit einer Handbewegung winkte er den Bar Angestellten zu uns. Mit einem Kopfnicken signalisierte er, das wir nun unsere Bestellung aufgeben konnten.

«Wir suchen jemanden. Den Mann, der im Urwald wohnt. Nordöstlich von hier, ca. zwei Stunden Fussweg von hier.»

«Sie meinen Dr. Alvaretz?»

«Ja ich meine Dr. Alvaretz. Wo ist er?»

«Ich weiss es nicht.»

Maximilian stand auf, backte den Mann hinter der Baar an seinem T-Shirt und zog ihn nahe an sich heran. Dabei verfärbten sich seine Augen und seine Adern wieder schwarz. Dem Barkeeper währen fast seine Augäpfel aus seinem Gesicht gefallen, so erschrocken und verängstigt schaute er.

«Wir haben uns wohl falsch verstanden, du erinnerst dich nun sofort an alles was du von Dr. Alvaretz weisst.»

Eine gefühlte Ewigkeit standen die beiden Männer so da, bis Maximilian ihm tief in die Augen sah, sagte das er dies alles vergessen soll und weiterarbeiten soll. Dann liess er ihn los und klopfte ihm freundschaftlich auf die Schulter.

«Was hast du gehört?»

«Dr. Alvaretz ist laut Stadtgetratsche vorhin von einer Meute wilder entführt worden. Laut Berichten hatten sie schwarze Augen und die Adern traten aus ihrem Gesicht hervor. Zur grossen Überraschung waren diese auch schwarz.» Meinte er sarkastisch.

«Die Noctis haben ihn geholt.»

«Jup sieht so aus. Sie haben sich den frühen Sonnenuntergang auf dieser gottverdammten Insel genutzt und sind mit Schnellbooten hergekommen.»

«Also mieten wir uns auch ein Boot.» Schnell erhob ich mich von dem völlig veralten und durchgesessenen Barhocker. Ich war bereit. Bereit loszulegen. Aber meine Begleiter blieben sitzen und schauten mich mit einem komischen Gesichtsausdruck an.

«Heute bestimmt nicht mehr.»

«Sie könnten überall sein. Das bring doch nichts.»

Ich konnte das nicht verstehen. Den Kopf hängenzulassen, würde ja wohl auch nichts bringen.

Raul kippte seinen Drink in einem Zug hinunter und bestellte sich einen neuen.

«Da wir heute eh nichts mehr machen können, amüsieren wir uns doch ein bisschen.» Meinte er und hielt dabei seinen neuen Drink triumphierend in die Höhe.

«Gute Idee. Ich bin nämlich immer noch ein bisschen hungrig.» Mit diesen Worten stand Max auf und begab sich auf die Tanzfläche. Dort wurde er auch sogleich von einer hübschen jungen blonden Frau angetanzt.

Ich liess mich wieder auf den Barhocker nieder. Noch bevor ich einen Schluck von meinem Drink nehmen konnte, bemerkte ich das meine Hand stark zitterte. Wahrscheinlich nur, weil ich schon eine Weile nichts gegessen hatte. Versuchte ich mir einzureden. Aber tief in meinem Inneren spürte ich diese Leere. Diese Leere, die ich meist vor meinen Anfällen spürte. Konnte es sein, dass das Vampirgift schon wieder nachliess? Maximilian erklärte ja, dass sich sein Gift wie eine Droge verhielt und ich immer mehr brauchen würde und sonst Entzugserscheinungen eintreten würden.

Noch bevor ich mehr darüber nachdenken konnte, beschloss ich hinüber zu Maximilian zu gehen und mich beissen zu lassen.

Auf der Tanzfläche angekommen sah ich ihn eng umschlungen mit der blonden Schönheit tanzen. Ich spürte, wie mir das Bild, das sich da vor mir bot, mir einen eifersüchtigen Stich in mein Herz versetzte. Als ich mich denn beiden noch ein Stück näherte, sah ich auf einmal, wieso die beiden so eng umschlungen waren. Max hat den Kragen, der ihr Hals bedeckte, weggeschoben und trank nun von ihrem Hals.

Ich sah ihn nun zum ersten Mal genauso wie er war. Ein Monster, der sich von Menschen ernährte. Geschockt blieb ich wie angewurzelt stehen.

Max löste seine Zähne aus ihrem Hals, packte sie fest an ihren Schultern und sah ihr tief in ihre grünen Augen. «Vergiss was gerade passiert ist. Tanz weiter und beachte mich nicht mehr.» Sie drehte sich um und lief davon.

«Wieso weisst du, dass sie macht was du ihr befiehlst?» Wollte ich mit zitternder Stimme wissen.

«Weil sie nicht anders kann.» Mit seinem linken Zeigefinger tippte er dabei zweimal auf seine Stirn, um das Gesagte zu unterstreichen.

Dann drehte er sich um und lief davon. Ich hinterher.

«Du Max,» begann ich vorsichtig. Er blieb stehen und sah mich gespannt mit seinen sexy blauen Augen an. Eine kurze Zeit standen wir so da. Die Blicke zwischen uns waren voller Leidenschaft und am liebsten hätte ich mich in seine breiten Schultern gekuschelt und seine weichen Lippen auf meinen gespürt. Neben dem beklemmenden Gefühl des Entzuges machten sich nun auch noch Schmetterlinge in meinem Bauch ans Werk. Kein Wunder, wurde es auf meinen Beinen immer wackliger.

Doch bemerkte ich, dass an seinem rechten Mundwinkel noch etwas Blut klebte.

«Du……. Du hast da was.» Ich zeigte ihm mit dem Zeigefinger an meinem Mund die Stelle. Schnell wischte er sich das Blut weg.

«Ja.» Meinte er. Nun schwang eine gewisse genervtheit mit in seinem Ton.

Ich konnte diesen Mann einfach nicht einschätzen. Kurz zuvor knisterte es noch wild zwischen uns und nun tat er so, als wäre ich ein lästiger Groupie. Was sollte das?

«Kannst du mich noch einmal beissen?»

«Was?» Schrie er. Deshalb wiederholte ich meine Bitte noch einmal. Aber noch während ich sprach, zog er mich an meinem Arm aus der Bar.

Als wir vor der Bar ankamen, entfernte er sich zwei Schritte von mir und faste sich mit beiden Hände an den Kopf.

«Ich fasse es nicht. Ich wusste, dass es eine blöde Idee war.»

«Was meinst du?»

«Mein Gift. Mein Gift hat dich schon süchtig gemacht, richtig? Händezittern, innere Leere, Spannungszustände. Kommen dir diese Symptome bekannt vor?»

Wenn ich ehrlich war, traf jedes einzelne Wort genau ins Schwarze. Ich beschloss aber, dass es besser war, nichts zu sagen, um ihn nicht noch weiter zu reizen. Wer wusste schon, was dann alles noch passieren könnte?

Seinem Gesichtsausdruck nach musste ich auch gar nicht antworten, denn er machte einen Schritt zurück und seine Gesichtszüge entspannten sich etwas. Es schien fast so, als wäre die Wut der Besorgnis gewichen.

«Anna, ich weiss das mein Gift dir momentan hilft. Es macht die aber auch abhängig. Wir müssen aufpassen damit. Bevor es dich zerstört.» Während er sprach, strich er mir meine dunkelbraunen Haare aus dem Gesicht.

«Ich brauche es.»

«Nein tust du nicht. Noch nicht. Die letzte Dosis sollte noch anhalten.» Seine Worte waren sanft und ich spürte, als er sprach, seinen warmen Atem auf meiner Haut.

«Doch tue ich.» Meine Augen füllten sich mit Tränen. «Seit meine Mutter gestorben ist, als ich gerade mal vierzehn Jahre alt war, fing ich an, alles zu kontrollieren. Ich und mein Vater planten mein Leben. Alles sollte wieder normal und geregelt ablaufen. Die Anfangszeit nach ihrem Tod war schwierig für uns alle und ziemlich chaotisch. Der Plan gab uns allen Sicherheit und das Gefühl von Kontrolle. Natürlich gab es Tage, an denen ich vor diesem Plan weglaufen wollte. Aber nicht von dem Gefühl der Sicherheit. Nein, nicht von diesem Gefühl. Nun verstehe ich nicht mal mehr meine Welt, in der ich lebe. Plötzlich gibt es Vampire und Magier. Ich soll eine Botin sein, die stirbt, wenn sie nicht ihre Bestimmung erfüllt. Max, ich brauche Sicherheit. Bitte.» Nun schluchzte ich so laut, sodass man mich wohl nicht mehr wirklich verstehen konnte.

Maximilian schloss mich so fest in seine Arme, dass es schmerzte. Dies war mir egal. Ich genoss seine feste Umarmung und horchte seinen Worten, die er mir immer wieder ins Ohr flüsterte: «Es wird alles Gut. Es wird alles gut.»

Ich wollte so fest daran glauben, dass ich es auch tat.

Max wich mit seinem Kopf ein paar Zentimeter zurück, schaute mir tief in meine Augen und verwandelte sich. Ehe ich realisierte, was geschah spürte ich auch schon seine Zähne in meinem Hals. Zuerst durchströmte mich ein stechender Schmerz. Kurz darauf folgte eine wohlig warme Welle und da fühlte ich sie auch schon wieder, die Stärke. Die Stärke, die ich zuvor so sehr vermisst hatte.

«Wenn das alles durchgestanden ist, werde ich dir helfen zu entgiften. Wir werden einen Weg finden, wie du mit all dem zurechtkommst.»

«Und wie soll ich mich in einer Welt voller Magier, Elfen und Vampire sicher fühlen?»

«Das weiss ich auch noch nicht so genau. Aber hey, ich bin einhundertfünfundsiebzig Jahre alt. Es wird mir da schon etwas einfallen. Hoffe ich zumindest.» Meinte er mit einem Schmunzeln auf den Lippen. Er lies mich los und trat einen Schritt zurück. «Geht es wieder?»

«Ja lass uns wieder reingehen.» Ich drehte mich um und lief zur Bar.

Dort sass Raul immer noch auf dem gleichen Hocker.

«Hey.» Meinte ich zur Begrüssung, während ich mich auf den Sessel neben ihm setzte.

«Wie lautet der Plan für morgen?» Fragte ich in die Runde, denn mittlerweile stand auch Max neben mir.

«Diiieeeeses Jaaaaaah weeerrde iiiiccchh eeessss schaaaafen. Iiiiiiiich weeeeede Hhhohher Heeexsenmeeeeeiiiiiister.» Antwortete Raul sichtlich betrunken. Verwirrt schaute ich zu Maximilian. Ich wusste gar nicht, dass sich Hexenmeister betrinken können.

«Was meint er mit hohem Hexenmeister?» Flüsterte ich Max zu. Während ich Raul stützte, sodass er nicht vom Stuhl viel.

«Raul versucht schon seit ich ihn kenne, das Amt des hohen Hexenmeisters zu bekommen. Das ist die grösste Ehre für jeden Hexenmeister, dieses Amt zu besetzten. Das wäre bei euch in der Menschenwelt der Präsident. Aber wenn ein Hexenmeister das Amt des hohen Hexenmeisters schmückt, bekommt er sogleich auch die ultimative Macht. Damit wäre er mächtiger als alle anderen Hexenmeister. Aber um das Amt zu bekommen, muss man das höchste ansehen von allen Hexenmeister haben und bis jetzt gelang es Raul nie gegen seinen Konkurrenten zu gewinnen. Wenn er jedoch hilft, den Frieden der Rassen zu bewahren, wäre ihm das Amt so gut wie sicher.» Erklärte Maximilian mir ruhig und leise, sodass uns niemand belauschen konnte.

«Ich glaube, wir müssen Raul irgendwo hinbringen, wo er seinen Rausch ausschlafen kann.»

Max hatte recht. Raul brauchte definitiv schlaf.

«Wo wollen wir hin?»

«In das Haus von dem Professor.» Antwortete er und schwang dabei Rauls rechter Arm um seine Schulter, sodass er ihn beim Gehen stützen konnte.

Ich legte noch etwas Geld für unsere Drinks auf den Tresen und lief den beiden hinterher. Raul quasselte während der ganzen Fahrt wirres Zeugs vor sich hin.

Und so geht es weiter: Kapitel 9 Die Botin der Elfenlampe (ava-versucht-zu-schreiben.blogspot.com)

Eure Ava Meier versucht zu schreiben...

Kapitel Übersicht:

Kapitel 1 Die Botin der Elfenlampe (ava-versucht-zu-schreiben.blogspot.com)

Kapitel 2 Die Botin der Elfenlampe (ava-versucht-zu-schreiben.blogspot.com)

Kapitel 3 Die Botin der Elfenlampe (ava-versucht-zu-schreiben.blogspot.com)

Kapitel 4 Die Botin Der Elfenlampe (ava-versucht-zu-schreiben.blogspot.com)

Kapitel 5 Die Botin der Elfenlampe (ava-versucht-zu-schreiben.blogspot.com)

Kapitel 6 die Botin der Elfenlampe (ava-versucht-zu-schreiben.blogspot.com)

Kapitel 7 Die Botin der Elfenlampe (ava-versucht-zu-schreiben.blogspot.com)

Kapitel 8 Die Botin der Elfenlampe (ava-versucht-zu-schreiben.blogspot.com)

Kapitel 9 Die Botin der Elfenlampe (ava-versucht-zu-schreiben.blogspot.com)

Kapitel 10 Die Botin der Elfenlampe (ava-versucht-zu-schreiben.blogspot.com)

Kapitel 11 Die Botin der Elfenlampe (ava-versucht-zu-schreiben.blogspot.com)

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