Kapitel 10 Die Botin der Elfenlampe

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Am nächsten Morgen wachte ich auf und sah das reinste Chaos. Die Elfen liefen alle eilig durcheinander. Ich schwang mich mühevoll aus der Hängematte und lief zu dem runden Platz. Dort sah ich, wie Raul mit ein paar Elfen sprach. Als er mich sah, kam er auf mich zu.

«Etwas Schlimmes ist passiert. Eine Elfe wurde ermordet. Blutleer.»

«Oh nein. Was machen wir jetzt?»

«Ich konnte die Elfen überzeugen, dass wir mit an den Tatort dürfen.»

«Wie hast du das den geschafft?»

«Na ja vielleicht hilft ja unsere Magie, den Fall schnellstmöglich zu klären.» Er bewegte dabei vielsagend seine Finger.

«Wird sie denn helfen?»

«Weiss nicht. Vielleicht fällt uns ja was auf. Jedenfalls geht es in sieben Minuten los. Bist du bereit?»

Na ja, eigentlich wäre ein Frühstück nicht zu verachten, aber dafür blieb wohl mal wieder keine Zeit. Die Zeit reichte noch, um kurz eine SMS an Max zu schicken.

 

Wir haben versagt, eine Elfe wurde ermordet. Wir begleiten die Elfen zum Tatort. Ich schick dir die Adresse, sobald wir dort sind. Ich brauche noch etwas Gift.

 

Ich steckte mein Handy zurück in die Hosentasche und dann ging es auch schon los.

In einer Seitengasse neben einer Pizzeria lag sie. Eine Elfe, ganz ohne Blut in dem Körper. Der Körper der toten Elfe sah er irgendwie verschrumpelt und grau aus. Kaum vorstellbar, dass sie nur Stunden zuvor noch ein so anmutiges und schönes Wesen der Natur war.

Obwohl uns die Elfen mitgenommen hatten, durften wir nicht zu nahe an die Leiche, um die Ermittlungsarbeiten der Elfen nicht zu stören.

«So sieht also eine Vampirleiche aus?» Stellte ich fest.

«Ja.» Presste Max angestrengt hervor, der plötzlich neben mir stand. Man konnte die Wut über diese Situation förmlich aus seinem Gesicht lesen.

«War das Tommaso?» Fragte Raul.

«Dieses Monster zuerst nimmt er Menschen zur Vorspeise und dann das hier.» Ich zeigte fassungslos auf die Leich.

«Nein Tommaso war das nicht. Wir waren gestern die ganze Nacht an der Menschen Party.»

Ich schaute ihn einfach nur entgeistert an. Wie konnte er das sagen, als wäre das, dass normalste der Welt?

«Anna schau nicht so.»

«Dich stört mein Blick nur, weil du weist das es falsch ist, was du gestern gemacht hast.»

«Ich bin ein Vampir und tue eben, was Vampire so tun. Wenn dir das nicht gefällt, schön, aber komm dann nicht und bettle, dass ich dich beisse. Denn du kannst nicht nur dann akzeptieren, dass ich ein Vampir bin, wenn es dir so passt und ansonsten es leugnen oder sogar verachten. Ich bin, wer ich bin, das habe ich mir nicht ausgesucht klar? Und ich war immer ehrlich zu dir!»

«Irgendwie hat Maximilian recht.» Mischte sich nun Raul in unser Gespräch.

War ich zu hart zu Maximilian? Es stimmte, seit ich wusste was Max war, verheimlichte er mir nie etwas. Er war immer vollkommen offen. Sah ich nur, was ich wollte?

Wahrscheinlich hätte ich eine ganze Woche mit meiner besten Freundin Emma und viel Eiscreme gebraucht, um die Situation zu analysieren und meine Gefühle zu ordnen. Aber diese Zeit hatte ich nicht. Also musste ich meine Gefühle runterschlucken und das Ordnen auf einen späteren Zeitpunkt verschieben.

«Gehen wir ein Stück, bevor man dich hier noch entdeckt.» Wechselte ich das Thema.

«Geht ruhig. Ich versuche hier noch was rauszukriegen.» Verabschiedete sich Raul von uns.

Maximilian und ich liefen zwei Querstrassen weit weg.

«Ich denke hier ist gut.» Meinte ich, während ich die Ärmel meines Pullovers hochkrempelte.

«Ach ja. Gut für was?» Max trat so nah an mich heran, dass ich seinen Atem auf meiner Haut spüren konnte. Unsere Stirnen berührten sich beinahe.

«Du weisst schon.» Ich hielt demonstrativ mein Handgelenk vor seinen Mund.

«Also bin ich doch ganz ein nützliches Monster?»

«Du bist kein Monster.»

«Nein?»

«Nein.»

«Was bin ich dann?»

«Ein Vampir.»

«Und du kannst damit Leben?»

«Ja.»

«Was fühlst du für diesen Vampir?»

Ich überlegte kurz, wann ich das letzte Mal Knoblauch gegessen hatte. Aber ich konnte beim besten Willen nicht sagen, ob sich im Essen gestern Knoblauch befand.

«Du meintest, du warst immer ehrlich zu mir, seit ich weiss das du ein Vampir bist.»

«Ja.»

«Kannst du jetzt gerade meine Gedanken lesen?»

«Ja.» Ein Lächeln umspielt seine Lippen. Seine schönen vollen roten Lippen.

«Beeinflusst du sie auch?»

Er wich ein Stück zurück, hielt mich aber immer noch fest an meine Schultern.

«Das würde ich nie machen. Versprochen.»

Ich konnte durch seine Augen so tief in sein inneres sehen, dass ich ihm voll und ganz glaubte.

«Dann weist du ja, was ich fühle.»

«Ich will es hören.»

«Immer wenn ich in deiner Nähe bin, habe ich Schmetterlinge im Bauch. Ich liebe es, dass ich dich nicht einschätzen kann. Ich liebe und hasse es gleichzeitig, dass du mein Leben in ein rissen Abenteuer gestürzt hast. Ich liebe das ich mich in deiner Nähe trotz allem sicher und geborgen fühle. Ich liebe dich. Trotz all meinen Zweifeln habe ich mich in dich verliebt.»

Maximilian kam wieder näher, aber diesmal berührten sich nicht unsere Stirnen, sondern unsere Lippen. Der Kuss war sanft und leidenschaftlich.

«Wie fühlst du?» Wollte ich nach dem unglaublichen Kuss von ihm wissen.

«Du bist ein netter Zeitvertreib.»

«Was?»

«Das war doch nur ein Scherz. Es geht mir genauso, und zwar schon von dem Zeitpunkt an, als du in meine Baar gestapft kamst. Dein schön braunes Haar und deine unglaublich braunen Augen. Aber am meisten mag ich deine starke Ausstrahlung.» Ein Grinsen breitete sich auf seinem Gesicht aus. Er strich mir meine Haare hinters Ohr. Für einen kurzen Moment vergass ich, wieso wir hier waren. Aber eben nur für einen kurzen Moment, denn nun brach alles wieder über mich ein. Wir müssen einen Krieg verhindern und haben keine Zeit für so was. Nicht jetzt.

„Ja ja schon gut. Ich beiss dich ja schon.“ Er nahm sanft meine Hand und biss in mein Handgelenk. An den schmerzt würde ich mich wohl nie gewöhnen. Wobei ich mich nur allzu gut an das unglaublich wunderbare Gefühl, was direkt nach dem Biss kam, gewöhnen könnte.

„Denk nicht einmal daran, dich daran zu gewöhnen. Du weisst nach der Mission machst du einen Entzug.“

„Ja ich weiss. Alles gut, ich möchte mich gar nicht daran gewöhnen.“ Log ich und lief weg. In der Hoffnung, dass er so meinen wahren Gedanken nicht lesen konnte.

„Schreibst du mir?“ Rief er mir hinterher.

„Ja sicher.“ Antwortete ich, ohne mich auch nur kurz umzudrehen. Zu gross war die Versuchung, sonst wieder zu vergessen, weswegen wir hier waren und noch mehr von dem Kuss zu wollen. Noch viel mehr.

Aber dafür blieb keine Zeit. Eigentlich waren wir ja hierher gereist, um den Mord zu verhindern. Aber da dieser ja nun schon geschehen war, mussten wir ihn schnellstmöglich aufklären, um so doch noch den Krieg zwischen den Elfen und den Vampiren zu verhindern.

Zurück am Tatort schockierte mich den Anblick der Leiche immer noch. Das seidenweise Kleid hatte ein paar Blutspritzer abbekommen, sonst deutete aber nichts auf einen Kampf hin. Zumindest soweit ich dies mit meinen Kenntnissen aus Krimiserien beurteilen konnte. Den keiner ihrer Fingernägel war abgebrochen und ihre Arme wiesen weder blaue Flecken noch Kratzer auf. Hiess das, dass sie ihr Mörder kannte?

«Haben sie schon was rausbekommen.»

«Nein.» Antwortete Raul niedergeschlagen.

«Alles deutet auf die Vampire, aber von dieser Entfernung kann ich auch nicht mehr herausbekommen. Irgendwie habe ich in meinen zweihundertfünfzehn Jahren noch nie ein solcher Einbiss Winkel gesehen. Aber auf diese Entfernung könnte es schon möglich sein, dass ich mich täusche.»

Mein Gefühl sagte mir, das ich auf Rauls Gefühl hören sollte. Schliesslich hatte er bisher immer den richtigen Riecher.

«Also müssen wir näher heran.»

«Keine Chance. Die Elfen sind angespannt und wir wollen sie auf keinen Fall verärgern. Elfen sind echt mies, wenn man sie ärgert.»

«Hmm wo bringen sie die Leiche hin, nachdem sie hier ihre Ermittlungen abgeschlossen haben?»

«Sie bringen Sie in den Wald und veranstalten eine Trauerzeremonie, bei der sie die Leiche verbrennen und die asche der Natur zurückgeben.»

«Also veranstalten wir eine weitere Party. Eine Trauerparty.»

«Du meinst so eine Art Beerdigung mit viel Alkohol?»

«Genau und wenn wir die Party veranstalten, geben wir auch den Zeitplan vor. Wir müssen also nur beachten, dass wir alle genügend lange von der toten Elfe fernhalten, so das Maximilian einen Blick darauf werfen kann. Dieser sollte ja Experte sein in Sachen Einbisswinkel.»

«Lass uns eine Party Organisieren.»

Den ganzen Nachmittag über waren Raul und ich mit der Planung der Party beschäftigt. Die Elfen halfen fleissig mit und waren ganz entzückt von unserer freundlichen Geste.

Als wir dann alle am Tisch versammelt waren, um zu Dinieren, war die Zeit für Maximilian gekommen, sich die tote Elfe genauer anzusehen. Nicht ganz ungefährlich, da die Elfen momentan sehr schlecht auf die Vampire zu sprechen waren. Ich wollte mir gar nicht ausdenken, was sie mit Max machen würden, wenn sie ihn entdeckten. Denn für die Elfen bestand kein Zweifel, dass ein Vampir für die tote Elfe verantwortlich war.

«Vampire sind das Letzte. Sie bringen nur Unheil. Mit ihnen kommt auch immer der Tod.» Regte sich eine der Elfen gerade auf.

Zugegeben war mir das Gesprächsthema sehr unangenehm. So viele schlechte Sachen über Max und seines gleichen zu hören, war nicht ganz einfach. Aber da musste ich nun durch.

Ich erfuhr, dass sich die Vampire der Stadt nicht an den Vertrag hielten. Sie würden jede Nacht Partys veranstalten, bei denen die Menschlichen Partygästen gegessen werden. Nicht sodass sie sterben. Aber die Menschen, die dann ohne Erinnerungen von der Party zurückblieben, hätten durch das abklingen des Vampirgiftes eine starke Depression.

Dies hatte auch fatale Folgen für die Elfen. Denn die Elfen bekommen ihre Stärke durch die Verbindung zur menschlichen Seele. Umso glücklicher der Mensch ist, umso stärker sind die Elfen. Diese Stärke nutzen sie dann, um die Natur blühen zu lassen. Da aber momentan so viele Menschen in Rom wegen der Vampire unglücklich waren, haben die Elfen nicht genügend Kraft, die Natur blühen zu lassen und so passiert es, das immer mehr davon kaputt ging. Die Elfen befürchten, wenn sich nicht bald was ändert, würde sich Rom bald in eine düstere dunkle Stadt verwandeln, in der es ausser Dunkelheit nichts mehr geben würde.

 

Hat alles funktioniert.

Ich bin wieder auf dem Weg ins Hotel Frateli della notte.

Raul hatte recht, die Einbissstelle hat einen aussergewöhnlichen Winkel. Nicht nur das ist komisch, ich konnte an der Leiche auch keinen Vampirgeruch feststellen. Was, wenn sie von einem Vampir gebissen wurde, praktisch unmöglich ist.

 

«Maximilian hat geschrieben. Er ist auf dem Weg zurück ins Hotel.» Flüsterte ich Raul zu.

«Hat er etwas rausgefunden?»

«Die Leiche riecht nicht nach Vampir. Was auch immer das heissen soll.»

«Vampire haben eine ausgezeichnete Nase. Eine noch bessere Spürnasse als ein Hund. Also wenn die Leiche keinen Vampir Duft an sich hatte, wurde sie auch von keinem getötet.»

«Aber von wenn dann?»

«Keine Ahnung.»

Wir starrten noch eine ganz Weile schweigsam vor uns hin. Ehrlichgesagt war ich richtig erleichtert, dass es kein Vampir war. Ich wusste nur weil genau diese Elfe kein Vampir getötet wurde, hiess das noch lange nicht, das die Vampire Engel waren. Nein natürlich waren Vampire immer noch gefährlich und wenn man den ganzen Sagen und auch den Elfen Glauben schenken wollte, waren sie auch Monster. Diese Monster hatten nur irgendwie so gar nichts gemein mit Maximilian. Er war in dem ganzen Chaos immer mein Fels. Er war so stark, aber zugleich auch so sanft. Er war nicht berechenbar, aber ich wusste dennoch, dass ich mich immer auf ihn verlassen konnte.

«Wie sollen wir nur alle Elfen gleichzeitig beschützen. Wenn du kein Spruch kennst, der uns verhundertfacht, halte ich dieses Vorhaben für unmöglich. Ich meine, jede von ihnen könnte die nächste sein.»

«Hmmm.» Ich schaute in seine braunen Augen und sah, seine Ratlosigkeit.

Was ich da in seinen Augen sah machte mir regelrecht Angst. Egal wie schwierig, gefährlich oder auch aussichtslos unsere Situation bis jetzt auch schien, Raul war stets voller Ideen. Ideen die er dann meist auch gleich mit einem Drink in der Hand, in die Tat umsetzte.

Aber jetzt, jetzt stand er einfach nur so da und wippte von seinen Versen auf seine Zehenbälle und zurück.

Unser schweigen wurde von einer Elfe unterbrochen.

«Habt ihr es schon gehört? Es gilt absolute Ausgangssperre. Solange bis der Mord aufgeklärt ist.» Teilte uns Aurora mit.

Aurora trug ein weisses, weit ausgeschnittenes Spitzenkleid. Ihre dunkelblonden Locken schmeichelten ihren roten Wangen und ihre tiefroten Lippen brachten ihre grünen Augen zum Leuchten.

Weshalb waren Elfen nur so schön? Da konnte man ja richtige Komplexe bekommen.

Noch bevor wir Aurora Antworten konnten, wurde sie von jemanden an einem anderen Tisch zu sich gerufen. Deshalb verliess sie uns auch gleich wieder.

«Das ist doch gut. Dies löst unsere Probleme.»

«Jein. Das verkleinert sie. Aber ich denke nicht, dass sich alle Elfen an die Ausgangssperre halten werden.» Gab Raul zu bedenken.

«Wir können doch mit den Portalen schnell von einem Ort an den nächsten kommen?»

«Ja.»

«Wieso reisen wir morgen nicht mit einem Portal von Elf zu Elf. So können wir alle Elfen, die das mit der Ausgangssperre nicht so ernst nehmen im Auge behalten.»

«Keine schlechte Idee. Aber jetzt lass uns feiern.» Raul stand auf und hielt mir seine Hand hin. Ich ergriff sie und er führte mich auf die Tanzfläche.

Und so geht es weiter: Kapitel 11 Die Botin der Elfenlampe (ava-versucht-zu-schreiben.blogspot.com)

Eure Ava Meier versucht zu schreiben...

Kapitel Übersicht:

Kapitel 1 Die Botin der Elfenlampe (ava-versucht-zu-schreiben.blogspot.com)

Kapitel 2 Die Botin der Elfenlampe (ava-versucht-zu-schreiben.blogspot.com)

Kapitel 3 Die Botin der Elfenlampe (ava-versucht-zu-schreiben.blogspot.com)

Kapitel 4 Die Botin Der Elfenlampe (ava-versucht-zu-schreiben.blogspot.com)

Kapitel 5 Die Botin der Elfenlampe (ava-versucht-zu-schreiben.blogspot.com)

Kapitel 6 die Botin der Elfenlampe (ava-versucht-zu-schreiben.blogspot.com)

Kapitel 7 Die Botin der Elfenlampe (ava-versucht-zu-schreiben.blogspot.com)

Kapitel 8 Die Botin der Elfenlampe (ava-versucht-zu-schreiben.blogspot.com)

Kapitel 9 Die Botin der Elfenlampe (ava-versucht-zu-schreiben.blogspot.com)

Kapitel 10 Die Botin der Elfenlampe (ava-versucht-zu-schreiben.blogspot.com)

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