Kapitel 6 verflixte Bündnerliebe
Das Überkochen des Nudelwassers riss
uns aus der Unterhaltung. Andrin ging wieder in die Küche und ich sichtete
weiter die Fotos, die für seine Webseite infrage kommen würde.
Die nächsten zwei Stunden
vergingen wie im Fluge. Das Essen schmeckte fantastisch.
Der Wein, den wir dazu tranken, passte perfekt und war mit seiner fruchtigen
Note süffig.
«Hast du Lust, noch einen Film zu
schauen?»
Eigentlich sollte ich nachhause
fahren. Aber dort wartete nichts auf mich und früh aufstehen musste ich dank
meiner momentanen Arbeitslosigkeit auch nicht.
«Ja das wäre schön.»
«Ich räume hier noch kurz auf. Du
kannst in dieser Zeit schon einmal einen Film auswählen gehen. Wie Netflix funktioniert,
muss ich wahrscheinlich nicht erklären.»
«Das kommt gar nicht infrage, ich helfe
dir.»
«Zwei Teller und die Pfannen kurz in
den Geschirrspüler zu räumen. Nein das schaffe ich allein.» Er verschwand mit
beiden Tellern in die Küche, also ging ich rüber ins Wohnzimmer. Die Fernbedienung
lag auf dem Couchtisch.
Ich suchte nach einem Film. Leider
haben wir noch nicht darüber gesprochen, was er für Filme mag, also entschied
ich mich für eine Actionkomödie. Damit konnte man nicht viel falsch machen.
Nach dem Film verflog die Zeit nur
noch. Täglich stand ich mit Andrin in Kontakt. Am Abend telefonierten wir beinahe
bis zu zwei Stunden. Anfangs ging es vor allem um meinen neuen Job. Aber die
Gespräche wurden immer persönlicher. Ich schätzte Andrins Sicht auf die Welt.
Er war mir auch eine grosse Hilfe
bei der Wohnungssuche. So arrangierte er, dass ich Hannas Wohnung übernehmen
konnte, da sie ja wieder nach Hause ging.
Mit grosser Vorfreude packte ich für
mein neues Leben in den Bergen, als ich die Mail bekam. Die Antwort auf eine
Bewerbung, die ich noch vor der Hochzeit verschickt hatte. Die Bewerbung bei
der Konkurrenzfirma meines früheren Arbeitsortes. In dem Mail stand, dass sie
meine Bewerbung sehr interessant fanden und mich gerne zu einem Vorstellungsgespräch
einladen würden. Diese Nachricht musste ich erst einmal sacken lassen. Seit ich
Andrin zugesagt hatte, fragte ich mich immer wieder, ob das die richtige Entscheidung
war. Ausser ihm kannte ich dort ja gar niemanden. Der Job war auch nicht den,
der ich gewohnt war. Und jetzt hätte ich die Gelegenheit mich an meiner alten Firma,
die mich einfach so vor die Tür gesetzt hatte, zu rächen. Zudem könnte ich so
bei meiner Familie und meinen Freunden bleiben und vom Lohn wollte ich gar
nicht erst anfangen.
Um Punkt acht klingelte mein Handy.
Andrin rief seit dem Filmabend jeden Abend um Punkt acht Uhr an. Wie ein
Uhrwerk.
«Hallo.»
«Hallo Luana, wie geht es dir?»
«Hmm gut danke und dir?» Ich
beschloss, ihm nichts von dem Vorstellungsgespräch zu erzählen. Nicht bevor ich
entschied, ob ich zu dem Termin gehen wollte oder nicht.
«Gut. Du wirst es nicht glauben,
aber gerade heute habe ich zwei weitere Aufträge bekommen.»
«Großartig.»
«Ist alles in Ordnung?»
«Ja alles bestens, ich bin nur müde.
Hören wir uns morgen wieder?»
«Ja klar.»
Es war das kürzeste Telefonat, das
wir je geführt haben. Aber ich war so unschlüssig. Ich wusste, er hätte es
verdient, von dem Bewerbungsgespräch zu erfahren. Immerhin war er immer offen und
ehrlich mir gegenüber. Aber ich wollte, nein ich konnte es ihm nicht sagen.
Ich hatte kein Auge zugetan in der
Nacht. Aber ich kam zu einem Entschluss. Ich wollte raus. Ich wollte Zeit. Ich
wollte nicht mehr in einer grossen Firma mein Herzblut geben und dann vor die
Tür gesetzt werden. Ich wollte Menschlichkeit. Ich wollte zu Andrin. Ich wollte
zum Abenteuer.
Gibt es nicht in jedem Leben der
Punkt, an dem man sich entscheiden muss, zwischen dem, was man kennt und dem
Abenteuer. Ich hielt mich immer für in Menschen, der an diesem Punkt die
Sicherheit wählen würde. Aber nun da ich wirklich in der Situation war, fühlte
sich die Wahl des Abenteuers, einfach richtig an. Gerade der Autounfall, bei
dem Andrin und ich als Ersthelfer ankamen, führte mir deutlich vor Augen, das
das Leben viel zu schnell vorbei sein kann.
Und so geht es weiter: Kapitel 7 (ava-versucht-zu-schreiben.blogspot.com)
Eure Ava Meier versucht zu schreiben...
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