Kapitel 5 verflixte Bündnerliebe
Ich schloss die Türe auf und wir betraten
den kleinen Raum. Ausser dem grünen Empfangstresen war nicht viel zu sehen. Der
Boden war abgedeckt, da die Wände noch gestrichen werden mussten. Dies schob
ich jedoch ein wenig vor mir her. Aber nun, wo Luana schon bald hier arbeiten
würde, musste ich dies unbedingt in Angriff nehmen.
«Klein, aber es erfüllt seinen
Zweck.»
«Es ist hübsch» meinte Luana,
während sie sich umsah.
Hübsch? Wie konnte ein leerer Raum
hübsch sein?
«Sorry ich weiss nicht, was man zu
einem leeren Raum sagen soll.» Begründete sie ihre Aussage.
«Ja.»
«Ist alles in Ordnung?» Fragte
Luana.
«Um ehrlich zu sein, manchmal macht
mir der Schritt in die Selbstständigkeit ein bisschen Angst.»
Ich war selbst überrascht, dass ich
so ehrlich zu ihr war. Aber ihre Leichtigkeit machte es mir leicht, mit ihr zu sprechen.
«Das kann ich verstehen. Ich habe
eine Idee» Sie kramte in ihrer Handtasche und fischte nach kurzer Zeit zwei Kugelschreiber
hervor. «Du musst noch streichen richtig?»
«Ja.»
«Wir schreiben jetzt je einen Wunsch
für unsere Zukunft an die Wand. Wenn sie überstrichen wurden, sieht sie
niemand, aber wir wissen das sie da sind. Wenn uns dann die Angst oder Zweifel überkommen,
schauen wir zu unseren Wünschen. So sind sie immer bei uns.»
Sie drückte mir einen Stift in die
Hand und ging zu einer Wand. Während ich mich im Raum umsah, um die perfekte
Wand auszusuchen, huschte ein Lächeln über mein Gesicht. Die Idee war gar nicht
mal schlecht. Seit langen fühlte ich mich leicht. Sie löste das Gefühl in mir
aus.
Ich ging zur Wand neben dem Eingang
und schrieb: Du schaffst das.
Nachdem ich fertig war, ging ich zu
Luana, die ihren Satz noch mit Herzchen verzierte. Auf ihrer Wand stand: Finde
deinen Weg.
«Fährst du heute wieder?»
«Ja mein Gepäck ist schon im Auto.
Wieso?»
«Ach nicht so wichtig. Ich hatte nur
ein zwei Fragen wegen der Fotos für die Webseite.» Das stimmte nicht wirklich. Ich
wollte einfach nicht, dass sie ging.
«Kein Problem. Wenn du möchtest,
kann ich noch kurz bei dir einen Halt machen, bevor ich gehe. Oder du mailst
mir alles. Was dir lieber ist.»
Erst jetzt wurde mir bewusst, was
ich tat. Weil ich zu feige war, um zu fragen, ob sie mit mir essen möchte, habe
ich die Arbeit vorgeschoben. Da ich ja schon bald ihr Boss sein würde, konnte
sie ja gar nicht anders reagieren. Oh man was habe ich nur getan. Dies war
alles andere als professionell.
«Nein es ist nicht wichtig. Kein
Ding wir schauen es an, wenn du offiziell gestartet hast.» So versuchte ich nun
wieder, aus der Situation rauszukommen.
«Nein das ist doch kein Ding. Komm
wir erledigen das gleich. So musst du nicht mehr daran denken.»
«Nein du musst wirklich nicht…….»
«Doch. Ich fahre dir einfach nach.»
Viel sie mir ins Wort.
Es war zu spät, um noch einen
Protest versuch zu starten. Da sie schon halb aus der Tür war.
Nach einer kurzen Fahrt standen wir
nun auch schon in meinem Wohnzimmer.
Meine Wohnung war eine gemütliche, zweieinhalb
Zimmer Wohnung im zweiten Stock.
«Wo steht dein PC?» Luana schaute
mich mit ihrem bezaubernden Lächeln an.
«Oh», ich öffnete die Schublade des Massivholzgestelles.
Nach kurzem Kramen fischte ich meinen Laptop heraus.
«Danke.» Sie nahm ihn und schaute
sich um.
«Setz dich hier.» Ich zog den Stuhl
des Esstisches unter dem Glastisch hervor.
«Danke»
Sie setze sich und klappte den
Laptop auf.
«Soll ich uns etwas kochen?» Fragte
ich, um sie noch etwas länger um mich zu haben. Und auch weil ich ein
schlechtes Gewissen hatte, da ich sie ja fast hierher gezwungen hatte.
«Essen? Sehr gerne.»
Ihr lächeln war unbeschreiblich. Nur
schon ihre Anwesenheit erfüllt mich mit einem wohlig warmen Gefühl.
«Wann hast du das letzte Mal ein Update
gemacht?»
«Hmm ist wohl schon etwas her.»
«Das merkt man. Bevor ich gehe, date
ich ihn noch ab. Wo sind die Fotos, die du meintest?»
Ich stellte den mit Wasser gefüllten
Kochtopf kurz auf den Herd, bevor ich zu ihr ging. Als ich mich über ihre
Schulter beugte, um den Ordner auf meinem unaufgeräumten Desktop zu suchen,
stieg mir der blumige Duft ihrer Haare in die Nase.
«Hier.»
«Perfekt ich schaue sie mir durch.
Was kochst du?»
«Gehacktes mit Hörnli.»
«Wow eines meiner Lieblingsessen.»
«Das trifft sich gut. Es ist fast das
einzige Gericht, das ich kochen kann.» Witzelte ich, bevor ich wieder in die
Küche ging.
«Die Fotos sind gut. Hat die ein
Fotograf gemacht?»
«Nein mein Kollege interessiert sich
für Fotografie. Er hat sie gemacht.»
«Sie sind wirklich gut. Ich liebe es
auch zu Fotografieren. Einen Moment oder Ort der perfekt ist, für die Ewigkeit
festzuhalten. Es gibt nichts Schöneres. Zudem kann man mit dem Licht oder auch den
Winkeln spielen. Die Möglichkeiten wirken grenzenlos.»
Während sie redete, leuchteten ihre
Augen richtig.
«Fotografie?»
Ihr Gesicht errötete leicht.
«Ja.» Sie schwang mit einer
Kopfbewegung ihre Haare ins Gesicht und starrte dann auf den Bildschirm.
«Fotografierst du auch.» Ich lehnte
mich auf die Lehne des Stuhles, der ihr gegenüber stand.
«Nicht wirklich. Zum Spass
manchmal.»
«Ja?»
«Ja, auf meinem Blog poste ich meine
Fotos und Gedanken.»
«Wie heisst die Seite?»
«Du wagst dich ins Internet? Ich
dachte, du kannst das Internet nicht leiden.»
«Ja mit dem kann ich wirklich nicht
viel anfangen. Deine Fotos würde ich aber gerne sehen.»
Sie schob mir den Laptop zu. Ich
nahm ihn und schaute auf den Display. Zu sehen war eine moderne Webseite, die
in Beige gehalten war. Die Fotos, die darauf zu sehen waren, sahen unglaublich professionell
aus.
«Die hast du gemacht?»
«Ja.»
(Luana) «Gefallen sie dir?»
«Ja, sie sind wunderschön.» Er
scrollte sich durch die Fotos. Ich beobachtete ihn gespannt.
Er war der Erste, dem ich meinen
Blog zeigte. Ich hatte ihn zwar schon ein paar Monate, aber er war mein. Ich
wollte nicht, dass andere über ihn urteilten. Deshalb erzählte ich niemanden
von dem Blog.
«Du bist der Erste, der ihn sieht.»
«Was?»
«Ich meine, der Blog hat schon ein
paar Besucher, aber meine Familie und Freunde wissen nichts davon.»
«Wieso hast du ihn mir gezeigt?»
«Ich weiss nicht. So weit weg von zuhause.
Jemand den ich so gut wie nicht kenne. Da ist es einfach sich dem anderen zu
zeigen. Wenn du engen Freunden und Familien etwas erzählst, muss man sich
sicher sein, dass es einem mit dem Hobby ernst ist, denn man wird immer wieder
danach gefragt. Das erzeugt Druck. Ich habe Angst, dass sie es doof finden
würden, oder es nicht verstehen könnten. Ich liebe die Fotografie, sie ist mein
Zufluchtsort»
«Ich kenne ein paar großartige
Plätze.»
Und so geht es weiter: Kapitel 6 (ava-versucht-zu-schreiben.blogspot.com)
Eure Ava Meier versucht zu schreiben...
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