Kapitel 1 verflixte Bündnerliebe

 


(Andrin) In dem Glas der Tür betrachtete ich mein Spiegelbild. Mist, sahen meine Haare wirklich so wild aus? Ich versuchte sie zu bändigen. Nach der Dusche hätte ich mir definitiv noch ein paar Sekunden Zeit nehmen sollen, um mir Gel ins Haar zu schmieren. Aber ich dachte, wenn ich sie im nassen zustand nach hinten kämme, würde dies genügen. Falsch gedacht. Und was sah ich da neben meiner Nase auf der Wange, war da etwa ein Farbfleck? Schnell leckte ich meinen Daumen ab, um den Fleck an der Wange zu entfernen.

Mist genau heute war ich voll mit weiser Farbe. Genau heute an dem Junggesellenabschied meines ehemals besten Kumpels. Milo war schon immer sehr zielorientiert und gab nichts auf Normen. Deshalb war das heute auch kein normaler Junggesellenabschied, sondern das Fest fand mit der Braut und deren Freunden statt.

Das Surren verriet mir, das die Türe nun offen war. Ich lief in den ersten Stock und klopfte dort an die Türe. Milo öffnete sie.

«Andrin, schön das du hier bist.» Begrüsste mich Milo freudig, während er mich umarmte.

«Leute hört mal her, das ist Andrin. Er ist ein Eishockeykollege. Hol dir was zu trinken.» Meinte Milo, während er sich wieder unters Volk mischte.

Ich schaute mich um. Überall standen Kessel gefüllt mit Eis und Bier. Ich schnappte mir ein Bier. Von den Gästen kannte ich so weit ich bis jetzt beurteilen konnte, niemanden ausser Milo.

Milo ist zwar hier im Bündnerland aufgewachsen, zog aber Anfang zwanzig von hier weg. So wie fast alle meine Freunde. Um eine verschneite Berghochzeit zu feiern, kam Milo nun zurück. Zumindest für die Hochzeit.

In der Wohnung war es laut und ziemlich eng. Da ich meine Jacke noch immer trug, beschloss ich auf die Terrasse zu gehen. Denn die Wohnung der Eltern von Milo verfügte über eine sehr grosse Terrasse, von der man über das ganze Tal sehen konnte. Um diese hatte ich Milo immer beneidet.

Kaum hatte ich die Terrasse betreten, hörte ich ein herzhaftes Lachen, dass sofort meine Aufmerksamkeit auf sich zog.

Das Lachen gehörte zu einer jungen kleinen Frau. Sie stand inmitten von einer kleineren Gruppe, die ihr gespannt zuhörten.

Ihre fröhliche Ausstrahlung färbte sogar ein wenig auf mich ab. Mit einem Lächeln beobachtete ich sie ein wenig. Ihre braunen schulterlangen Locken schimmerten in der Dunkelheit. Mich beeindruckte aber vor allem, wie entspannt sie in der Gruppe schien. Ich war eher schüchtern und mochte keine Menschenaufläufe. Auch Small Talk war nicht so mein Ding.

«Andrin komm, ich möchte dir Mia vorstellen», rief mich Milo. Dieser stand nur ein paar Schritte von mir entfernt. Nur widerwillig löste ich den Blick von der brünetten Schönheit und lief zu Milo.

«Das ist Mia. Mia, das ist Andrin. Andrin und ich habe früher zusammen Eishockey gespielt.» Mia streckte mir lächelnd ihre Hand entgegen. Ich nahm sie und schüttelte sie kurz. Da ich nicht genau wusste, was ich sagen soll, blieb ich einfach ruhig.

Da ich im Umgang mit andern nicht wirklich begabt war, war mir auch die drückende Stille, in der wir uns nun befanden, nicht neu.

«Kann ich euch noch ein Bier holen?» Hörte ich eine Stimme hinter meinem Rücken fragen. Halt mal diese Stimme kannte ich doch. Schnell drehte ich mich um und ich hatte recht. Die Stimme gehörte der brünetten kleinen Frau.

Sie trat zu uns heran und schaute gespannt.

«Nein schon gut danke. Wir müssen noch fleissig Leute begrüssen», antwortete Mia ihr.

«Ach übrigens, das ist Luana. Luana, das ist …» Versuchte Mia uns einander vorzustellen.

«Andrin», ergänzte ich, während ich ihr meine Hand entgegenstreckte.

«Sehr erfreut Andrin.» Während ich Luanas Hand schüttelte, entfernten sich Mia und Milo.

«Und was ist nun?» Fragte sie mit dem bezauberndsten Lächeln, das ich je gesehen habe. Sie trug ein blaues, tief ausgeschnittenes Kleid, das ihr Dekolleté betonte.

Ich erwischte mich, wie ich in ihr Dekolleté starrte und zwang mich wieder in ihre braunen Augen zu sehen.

«Was, wie» stammelte ich.

«Ob ich dir auch ein Bier holen kann?»

«Nein danke, ich habe noch.» Um meine Antwort zu unterstreichend, hob ich meine Hand mit dem Bier.

«Okay» meinte sie achselzuckend und lief in die Wohnung.

 

(Luana) Ich flüchtete schon fast in die Wohnung. Wer war dieser Andrin?

Auf jeden Fall war er verdammt heiss.

Die Party lief noch ca. drei Stunden und ich hatte eine Menge zu tun, um die ganzen Gäste zu Bewirten. Bei diesem Alkoholpegel wohl eher zu Babysitten. Das Hochzeitspaar verliess die Party schon vor gut einer halben Stunde. Mittlerweile hatten auch die meisten die Partygäste den Nachhauseweg angetreten und die, die noch hier waren, befanden sich in Aufbruchsstimmung.

Bis auf einen Gast. Dieser schrie betrunken irgendwelche Parolen und schwankte in der Gegend umher.

«Du hattest wirklich genug. Bitte gib mir die Flasche.» Ich streckte dem Mann mit dem blauen T-Shirt meine Hand entgegen. Er taumelte, aber anstatt das er mir die Flasche, die er kurz zuvor aus der Hausbar entwendet hatte, zu geben, legte er mir unsanft seinen Zeigefinger auf meine linke Wange.

«Du hast mir gar nichts zu sagen!» Lallte er mir laut entgegen.

Mein Herz schlug immer schneller. Er wirkte so aggressiv. Ich musste ihn irgendwie aus dieser Wohnung kriegen, bevor er diese noch anfing zu zerlegen.

«Okay, dann nimm sie mit, aber geh jetzt.» Entgegnete ich ihm mit all dem Mut, den ich hatte. Denn ich wollte mir keinesfalls anmerken lassen, dass er mich einschüchterte.

Seinen Finger, der immer noch auf meine Wange drückte, fuhr nun unsanft zu meiner Nase.

«Du hast mir gar nichts zu sagen. Ich gehe, wenn ich will und nicht wen mir eine kleine Tussi dies sagt. Klar?»

Ich atmete tief ein. Irgendwie musste ich ihn doch hier raus bekommen. Mein Blick löste sich von den crazy Augen des betrunkenen und ich sah, wie der heisse Typ von der Terrasse auf uns aufmerksam wurde und uns mit einem angespannten Blick beobachtet.

 

(Andrin) Als ich mit einem neuen Bier die Terrasse betrat, sah ich sie. Die schulterlangen braunen Haare, die im Mond schienen, der perfekt runde Po. Aber mit wem unterhielt sie sich da? Ich ging etwas näher, um mehr zu sehen. Da merkte ich, dass sie nicht entspannt miteinander redeten. Der Typ drückte ihr auf die Nase und war offensichtlich so betrunken, dass er sein Gleichgewicht nicht mehr unter Kontrolle hatte und schwankte.

Ich beobachtete die Situation und positionierte mich dabei so hinter dem Rücken des betrunkenen, so dass ich falls die Situation irgendwie ausarten sollte, den betrunken gleich packen könnte und ihn rausschmeissen, noch bevor er etwas anstellen könnte.

Aber Luana schien die Situation im Griff zu haben. Sie atmete einmal sichtlich tief ein und aus und sagte nachher mit bestimmter Stimme, dass er nun verschwinden solle und falls er dieser bitte jetzt nicht unverzüglich nachkommen würde, dann würde sie die Polizei rufen.

Der Typ überlegte kurz und torkelte dann Richtung Ausgang.

«Was für ein Trottel.» Sagte sie in meine Richtung. Sicherheitshalber schaute ich mich kurz um, ob sie auch wirklich mit mir geredet hat, aber ausser uns war niemand mehr auf der Terrasse. Da ich nicht wusste, was ich antworten soll, nickte ich.

Ich nickte, wie peinlich. Wieso viel es mir nur so schwer mit ihr zu reden.

Sie schnappte sich ein paar Becher und schoss sie einer der Müllsäcke, die an jedem Tisch befestigt waren.

Offensichtlich war nun Zeit, um aufzuräumen. Ich schnappte mir auch ein paar Pappbecher und tat es ihr gleich.

 

(Luana) «Was machst du?» Fragte ich ihn.

«Aufräumen» antwortet er, während er sich denn Müllsack schnappte und weiter fleissig Abfall zusammenräumt.

«Das ist nett, musst du aber nicht.»

«Kein Problem.»

Ich sah mich um, das Chaos war gross. Überall standen Flaschen und Becher. Ohne Hilfe würde ich bestimmt die ganze Nacht brauchen. Da aber der Brunch am nächsten Morgen schon früh startete, war mir seine Hilfe gerade recht.

Nach ca. einer Stunde war der Abfall weggeräumt, als wir einen grossen Knall hörten. Er war so laut das wir beide augenblicklich erstarrten.

«War das ein Schuss?» Fragte ich mit zittriger Stimme.

«Nein.» In seinen grünen Augen konnte man seine Besorgnis regelrecht sehen.

Zusammen liefen wir zur Tür. Mittlerweile war es tiefe Nacht. In der Dunkelheit konnte man nichts erkennen. Das Gefühl der Angst durchströme meinen Körper. Fangen so nicht alle Horrorfilme an?

«Dort.» Er zeigte in die Ferne und rannte los. Ohne auch nur eine Sekunde nachzudenken, rannte ich ihm nach.

Jetzt sah ich, was er meinte. In nicht allzu weiter Ferne konnte man Umrisse erkennen. War das ein Auto, das auf dem Dach lag?

Und so geht es weiter: Kapitel 2 (ava-versucht-zu-schreiben.blogspot.com)

Eure Ava Meier versucht zu schreiben...

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