Kapitel 3 verflixte Bündnerliebe

 


Nach dem Essen ging ich wie verabredet zu dem Festzelt. Ich bahnte mir einen Weg durch die vielen Besucher. Ich sah, wie Andrin sich gerade mit einem jungen Mann unterhielt. Als er sah, dass er mich nährte, beendete er das Gespräch mit seinem Gesprächspartner und drehte sich zu mir um.

«Hey Luana. Wow, du siehst super aus.» Ich denke, der zweite Teil rutschte ihm eher raus, denn er errötete.

«Danke.» Antwortete ich, während ich über meine schwarzen hautengen Hosen strich. Ein kurzer Blick checkte, ob mein tiefausgeschnittenes weisses Top noch richtig sitzte.

(Andrin) Wow Luana sah umwerfend aus. Ich musste mich richtig konzentrieren das ich ihr nicht in den Ausschnitt starte.

«Möchtest du etwas trinken?» Fragte ich sie, um mich von ihrem tiefen Ausschnitt abzulenken.

«Gerne einen Gin Tonic.»

Ich lief an die Bar und bestellte. Luana folgte mir und stand nun neben mir. Ihr lächeln wirkte so süss. Ich wollte unbedingt etwas sagen, wusste aber nicht was.

Meine Schüchternheit stand mir leider auch beim Flirten im weg. Nicht das ich unerfahren war mit Frauen. Nein, im Winter war hier Saison und dann kamen immer viele Touristen. Nachher im Apre Ski und etwas Alkohol warfen sich mir die Frauen auf der Suche nach einem Ferienabendteuer schon fast an den Hals.

Der Barkeeper überreichte mir das Bier und Luana nahm mir ihren Gin Tonic ab. Ich bezahlte noch kurz die Getränke und schaute mich nach einer Sitzgelegenheit um.

«Wollen wir hier stehen bleiben?» Fragte ich sie, da ich nicht fündig wurde.

«Sicher.» Luana trank einen grossen Schluck von ihrem Getränk. Als sie bemerkte, dass ich sie beobachtete, meinte sie achselzuckend: «Familie.»

«So schlimm?»

«Schlimmer. Glaub mir.» Ihr lächeln verriet mir, das sie nicht weiter darauf eingehen möchte.

«Du weisst schon so viel über mich und ich noch gar nichts über dich. Erzähl mir etwas über dich.»

«Was willst du wissen?» Fragte ich sie, bevor ich einen grossen Schluck von meinem Bier nahm.

«Hmmm. Wie alt bist du?»

«Dreiunddreissig.»

«Okay. Nun eine etwas schwerere Frage, wenn du dich mit einem Wort beschreiben müsstest, welches wäre das?»

«Hmmm. Zuverlässig.» Sagte ich schliesslich. Aber schon nachdem ich es gesagt hatte, bereute ich es auch schon wieder. Wer sagte schon bei einem Flirtversuch, das er zuverlässig sei?

(Luana) Zuverlässig, das Wort versetzte mir einen Stich. Früher war ich die zuverlässige, aber nun war ich arbeitslos und wusste so gar nicht, was ich mit meinem Leben anfangen möchte. Alle Jobausschreibeibungen wirkten irgendwie abstossend. Ich konnte mir nicht vorstellen, noch einmal mein ganzes Herzblut für eine Firma zu geben, um danach gefeuert zu werden. Doch weiterhin arbeitslos zu sein, kam für mich ebenfalls nicht infrage. Ich war eine Macherin und wollte unbedingt auch wieder etwas tun. Aber nur was?

«Zwei Tequila.» Bestellte ich beim Barkeeper. Nun war nicht die richtige Zeit für eine Lebenskrise.

Da leider auch der Tequila mich nicht ablenkte, beschloss ich mich auf die Tanzfläche zu wagen. Andrin meinte, er wolle noch kurz einen Kollegen begrüssen gehen. Deshalb ging ich allein auf die Tanzfläche.

Nach ein paar Songs setzte mich zu Andrin auf die Festbank. Ansonsten war der ganze Tisch nur mit Jungs gefüllt. Vermutlich stoppte deshalb auch das Gespräch, als ich mich setzte. Da ich die Ruhe ignorierte, nahmen sie das Gespräch auch wieder auf.

«Alles in Ordnung.» Fragte mich Andrin.

«Ja alles in Ordnung. Auf der Tanzfläche hat es einfach so ein Besoffener, der meiner Meinung nach ein wenig zu eng versucht, mit einem zu tanzen.» Antwortet ich, bevor ich einen grossen Schluck von seinem Bier nahm.

Wir schauten etwas den anderen auf der Tanzfläche zu. Aber es ging nicht lange und da kam der Besoffener von der Tanzfläche auf mich zu gestolpert.

«Komm lass mich nicht allein Tanzen. Komm wieder auf die Tanzfläche.» Lallte er in meine Richtung.

«Nein ist schon gut, ich brauche eine Pause.» Mit dieser Antwort versuchte ich so unbeschadet wie nur möglich aus der Sache herauszukommen. Aber da hatte ich die Rechnung ohne den besoffenen Typen gemacht. Dieser packte ich nämlich nun an meinem Arm und versuchte mich zurück auf die Tanzfläche zu ziehen. Durch die Wucht seines Zuges stellte es mich auf meine Füsse, ich versuchte aber mit all meiner Kraft mich gegen ihn zu wehren.

So schnell, wie es mich auf meine Füsse gestellt hat, so schnell stand auch Andrin auf. Er quetschte sich zwischen mich und den Typen.

«Lass sie los. Ich sage es dir nicht ein zweites Mal.» Seine Stimme war so bestimmt, dass der Typ gleich los lies.

Durch das plötzliche Wegbleiben des Zuges geriet ich ins Wanken und hielt mich an Andrins Schulter fest. Er versuchte mich mit einem Arm hinter seinem Rücken festzuhalten, dabei drückte er mich sanft an seinen rücken. Ich fühlte mich sicher, so dicht an Andrins Rücken. Als der Besoffene von uns entfernt hatte, drehte Andrin sich zu mir um.

«Alles in Ordnung?» Fragte er. Seine Besorgnis und Fürsorge, die in der Stimme mitschwang, war nicht zu überhören.

«Ja alles okay.» Kaum hatte ich die Worte ausgesprochen, lies Andrin mich los. Seine Nähe hat so gutgetan, ich wollte mehr. Er war so interessant, ich wollte ihn besser kennenlernen.

Da uns alle am Tisch anstarrten, meinte ich: «Etwas frische Luft würde uns jetzt bestimmt gut tun. Was meinst du?»

«Klar.» Er schnappte sich noch kurz seine Jacke und lief mir dann nach draussen.

«Danke dir.» Meinte ich, als ich draussen gegen einen Holzzaun lehnte.

«Alles gut.» Gab er lässig zurück.

Ich konnte ihn einfach nicht einschätzen. Was mir sonst eigentlich immer sehr leicht viel bei anderen. Aber bei Andrin wusste ich nicht einmal, ob er an mir interessiert war oder einfach nur nett.

«Ich wollte dir sagen, dass ich finde, du hast die Situation super gelöst. Du wurdest nicht aggressiv, hast mich aber klar verteidigt.» Sagte ich ihm.

«Kein Problem.»

Dieser Typ konnte doch unmöglich an mir interessiert sein. Ich meine die knappen Antworten und er versucht nie Körperkontakt aufzunehmen.

«Was?» Wollte er nun wissen.

«Nichts, ich habe nur gerade gedacht, dass ich dich überhaupt nicht einschätzen kann.»

«Das überrascht mich nun aber. Die die Leute von extrem scheu zur einem Messeprofi innerhalb eines halben Tages machen kann, kann mich nicht einschätzen.»

«Ja. Ich weiss nicht einmal, ob du mich magst oder nur tolerierst, weil ich Mias Schwester bin.»

Das Gespräch schien ihm nun sichtlich unangenehm zu werden.

«Gehen wir wieder rein?» Fragte er.

«Ohne Antwort? Oder ist keine Antwort die Antwort?»

 

(Andrin) Natürlich mochte ich Luana. Ich redete einfach nicht wirklich gerne über meine Gefühle.

«Ich mag dich.» Grummelte ich auf dem Weg nach drinnen. Meine Hoffnung, so das Gespräch zu beenden, schien zu funktionieren.

In letzter Zeit hatte ich mit der Übernahme der Firma so viel zu tun, da blieb keine Zeit für ein privat leben. Schon gar nicht für eine Frau. Auch jetzt, mitten in der Übernahme, hatte ich eigentlich gar keinen Kopf für etwas oder jemand anderen. Luana mit ihrer lockeren offenen Art macht es mir aber praktisch unmöglich, nicht an sie zu denken. Die Leichtigkeit und der Optimismus, den sie ausstrahlte, hatte ich noch bei keiner anderen gesehen. Und ihr lächeln raubte mir den Verstand.

Aber ich startete ein neues Kapitel in meinem Leben. Es war ein grosser Schritt, den ich ging und sie war nur für ein Wochenende hier. Ihr Leben spielte sich in der Stadt ab.

«Möchtest du etwas trinken?» Fragte ich sie.

«Ich hole uns etwas. Was möchtest du?»

«Das du dich hinsetzt. Die Abmachung war, dass ich dich einladen darf, da du mir an der Messe geholfen hast.»

«Aber du hast mich doch schon auf ein Gin Tonic eingeladen.»

«Egal. Nun setz dich und sag mir, was du willst.»

«Na schön. Ein Bier bitte.»

Ich machte mich auf den Weg zur Bar.

 

(Luana) Das Zelt hatte sich gefüllt und unsere Plätze von vorhin waren nun besetzt. Ich fand zwei Plätze auf einer anderen Bank.

Von meinem Platz aus hatte ich perfekte Sicht auf Andrin, der gerade an der Bar stand. Er war gross. Bestimmt eins fünfundachtzig. An seinem muskulösen Körper konnte man deutlich sehen, dass er viel Sport machte.

Trotz der vielen Leute kam er zügig mit unseren Getränken zu mir zurück.

«So, nun bist du dran mit Fragen beantworten.» Meinte er, während er mir mein Bier reichte. Sein breites Grinsen zog mich in seinen Bahn.

«Okay.»

«Also fangen wir mit etwas leichtem an. Was arbeitest du.»

Ich verschluckte mich an meinem Bier. Er hatte recht, dies war eigentlich eine einfache Frage. Als Arbeitslose aber nicht wirklich eine Frage, die man gerne beantwortet.

«Wenn ich ehrlich bin, arbeite ich momentan nicht. Ich habe nach zehn Jahren in der Firma, die ich mit aufgebaut hatte, meinen Job verloren. Das kam vollkommen unerwartet und hat mir den Boden unter den Füssen weggerissen. Letzte Woche hatte ich ein Vorstellungsgespräch, aber als ich auf dem nachhause Weg war, wurde mir bewusst das ich mich mein Job schon lange nicht mehr erfüllt hatte. Ich habe ihn gemacht, aber glücklich machte er mich nicht. Die Firma war das einzige, das mich gehalten hatte. Aber nun in einer neuen Firma noch einmal von vorne beginnen. Ich weiss nicht, wie ich das erklären soll.» Ich war selbst überrascht, wie ehrlich ich auf seine Frage antwortete. Denn eigentlich hatte ich meine Gefühle bezüglich meines Jobs noch nie laut ausgesprochen.

«Und was möchtest du nun tun?»

«Ehrlichgesagt, ich weiss es nicht. Ich habe zum Glück etwas Erspartes. Aber ich habe echt keine Ahnung.»

«Arbeite für mich.»

«Was?»

«Ich habe heute und gestern gesehen was du draufhast. Ich bin gerade dabei, die Firma meines Vaters zu übernehmen und bräuchte Hilfe. Jemand für die Webseite und das Büro. Hannah hat mir nach der Messe mitgeteilt, dass sie doch nicht für mich arbeiten möchte und doch lieber wieder in der Wäscherei arbeiten gehe. Dort hätte sie ihre Ruhe. Natürlich werde ich dir nicht so viel bezahlen können, wie du bei deinem alten Job verdient hast, aber als Übergang, bis du weisst was du möchtest, könnte es doch eine Lösung sein.»

«Du meinst das wirklich ernst.» Entgegnete ich ihm entsetzt. Wie konnte er mir nur einen Job anbieten. Er kannte ja noch nicht einmal meinen Lebenslauf. Ausserdem wohnte ich in Winterthur. Das wäre zum Pendeln viel zu weit.

«Und wo soll ich wohnen. Das geht doch nicht.»

«Dafür fänden wir sicher eine Lösung. Heisst das das du es dir überlegst?» Sein Lächeln erwärmte mir das Herz. Es wischte mir das Ohnmachtsgefühl, das ich seit meiner Entlassung in mir hatte, weg.

«Ich weiss nicht.»

«Überleg es dir noch ein paar Tage. Wenn du möchtest, gebe ich dir meine Nummer, dann kannst du dich bei mir melden.»

Ich streckte ihm mein Handy entgegen, so das er seine Nummer dort speichern konnte.

Ich holte tief Luft und atmete bewusst aus. Dieses Wachende machte mich fertig. Die Hochzeit meiner Schwester, die Fragen meiner Familie. Das erste Mal in meinem Leben keinen Plan und Weg zu kennen und dann noch Andrin.

Andrin mit seiner unglaublichen Anziehungskraft. Und nun auch noch das Jobangebot. Es reizte mich. Neu anzufangen. Eine Auszeit für ein paar Monate, bis ich weiss was ich möchte. Ein Abenteuer. Ich hatte mich in meinem Leben noch nie wirklich in ein Abenteuer gestürzt.

«Ich überlege es mir.»

(Andrin) Ich versuchte sie nicht anzustarren. Es fiel mir schwer, aber ich wollte nicht, dass sie sich unwohl fühlt. Sie sollte nicht denken, dass ich ihr das Jobangebot nur machte, weil ich sie heiss fand. Nein, an der Messe zeigte sie, was sie drauf hat. Und das mit der Webseite stimmte auch.

Und so geht es weiter: Kapitel 4 (ava-versucht-zu-schreiben.blogspot.com)

Eure Ava Meier versucht zu schreiben...

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